Erstes Kapitel
»Und Du bist hier zufrieden, Mama?« Max Fontagne machte das liebenswürdigste seiner liebenswürdigen Gesichter, strich spielend mit der gepflegten Rechten über den blonden Schnurrbart und griff mit der Linken nach einem blühenden Zweig, der aus dem Gewinde der dichten Laube über den weißgedeckten Teetisch hing; dabei dachte er, daß seine Mutter trotz ihrer fünfundvierzig Jahre noch immer eine sehr stattliche Frau sei. »Zufrieden – ja. Wenn man in eine Pension nach St. Magdalena zieht, und sei es auch in die beste Pension des Ortes, so beansprucht man vernünftigerweise im vorhinein keine großen Gesellschaftsunterhaltungen, nicht einmal besonderen Komfort, sondern begnügt sich mit der guten Luft und der anmutigen Gegend, was den Nerven nur zuträglich sein kann. Die wenigen anderen Gäste des Hotels begrüßt man, drückt ihnen auch die Hand und kennt sie später nicht mehr. Landbekanntschaften verpflichten zu nichts, mich wenigstens nicht. Endlich finde ich hier auch Muße für Lektüre.« Während Frau Exzellenz Melanie Fontagne dies sagte, blieb jeder Zug ihres regelmäßigen Gesichtes unverändert und nur bei dem Blick, den sie ihrem Sohn zuwarf, lächelten die braunen Augen unter den graziös geschwungenen Wimpern: »Zwei Stücke Zucker, nicht wahr?... Von Eva finde ich es nicht nett, daß sie auch heute, wo Du erst vormittags aus Wien ankamst, auf ihren Spaziergang nicht Verzicht leistete.