Der stärkste Zauber
Am herbstlich sich färbenden Saume eines Wäldchens hin schritt ein Mann auf taunassem Pfad. Er schien nichts zu empfinden von all der Schönheit des Morgens. Sein Blick hing am Boden, als werde er von dem schmalen nassen Pfad an der Leine geführt wie ein Willenloser. Aber die hohe Gestalt, der unbedeckte Kopf mit dem kurzgeschnittenen, steilen Haar, die breite Stirn, die starke Nase, das feste Kinn – all das sah nicht aus, als könne dieser Mann überhaupt keinen Willen haben. Jetzt ging dicht neben dem Schreitenden ein Fasan auf. Der Mann schaute auf. Er blickte sich um wie ein Erwachender. Der Schein von einem Lächeln ging über das gebräunte Gesicht, als er sah, daß der Vogel ohne Scheu dicht am Weg in einer jungen Fichte aufbäumte. »Du weißt wohl, daß der Jörg Balder kein Schießgewehr mehr trägt«, murmelte er. Als hätte das dumpfwogende Erinnern, das ihn seither auf seinem Gang begleitet, plötzlich Gestalt gewonnen, so standen jetzt festumrissene Bilder vor dem Manne auf, und seine Haltung wurde straffer. Er sah sich wieder in des Königs Rock, den er lange getragen. Und er sah auch schärfer und klarer als je, 7 daß er ihn nicht getragen, wie manche unter seinen gewesenen Kameraden ihn trugen: als das Kleid heimlicher Manneseitelkeit oder als Symbol eines bevorzugten Standes. Nein, ihm war dieser Rock ein Treuschwur zu allen hohen Dingen gewesen, eine Verpflichtung zum