Chapter

Der Sohn des Tizian

Im Februar des Jahres 1580 schritt ein junger Mann über die Piazzetta in Venedig. Der Tag dämmerte. Seine Kleidung war in Unordnung und das federgeschmückte Barett tief in der Stirn. Mit großen Schritten ging er auf die Riva degli Schiavoni zu. Degen und Mantel schleppten hinter ihm her, und verächtlich schritt er über die Fischer, die am Boden ruhten. Am Ponte di Paglia blieb er stehen und sah sich um. Der Mond verbarg sich hinter der Giudecca. Erste Röte umgoldete den Dogenpalast. Ein naher Palazzo brannte. Von Zeit zu Zeit schlug dichter Rauch und helle Lohe hoch. Balken, Steine, gewaltige Marmorstücke, tausend Trümmer sperrten den Canale delle Prigioni. Das Patrizierhaus, rings von Wassern umgeben, ward rasch ein Raub der Flammen. Funkengarben stoben empor und beleuchteten grell einen Soldaten, der auf den Ruinen Wache hielt. Den jungen Mann kümmerte das Schauspiel der Zerstörung nicht, auch nicht die Schönheit des Himmels, der sich mit jungen Farben schmückte. Er ließ den Blick über den Horizont gleiten, wie um das geblendete Auge abzulenken. Der klare Tag schien ihm nicht angenehm; denn er hüllte sich in seinen Mantel und beschleunigte seinen Schritt. Bald stand er vor dem Portal eines Palazzo. Er klopfte. Ein Diener mit einer Fackel öffnete ihm. Die Schwelle überschreitend, wandte er sich um, warf einen Blick zum Himmel und rief: »Beim Bacchus! Der Karneval kostet mich

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