Der Sohn des Fuchsjägers
Lieben heißt mit doppelten Recht ein Zeitwort: Lieben hat seine Zeit, die sich nicht abweisen läßt. Der weise Salomo hat's gesagt, wenn auch nicht mit denselben Worten. Des berühmten Königs Namensvetter haben aber nicht immer so tiefe Einsicht in die Wesenheit der Dinge, als ihr Namen zu verheißen scheint. Darum bildete der alte Salomo Page auf Pagenschloß sich ein, sein Sohn Lionel werde zu schicklicher Frist nach Vorschrift so kaltblütig heirathen, wie etwa ein deutscher Gelehrter sich zum Hofrath ernennen läßt. Besagter Lionel zählte fünf-und-zwanzig Jahre, und kein Zeichens verrieth, daß in dem vierschrötigen Burschen mit den plumpen Gliedmaßen und den ungefügen Bewegungen das Gefühl erwacht sey, das im Hornung den Fuchs seiner Raubzüge vergessen läßt und im März der Waldschnepfe langen Schnabel zur Schalmei umwandelt. Und war auch vielleicht die Regung erwacht, so hatte es damit keine Noth. Lionel schien bei weitem nicht der Mann, das Herz einer wohlerzogenen Jungfrau dergestalt in's Gedränge zu bringen, daß es sein süßes Geheimniß ohne künstliche Beihülse der werthen Verwandtschaft hätte preisgeben müssen. So nämlich dachte der alte Squire. Eigentlich hatte er's besser verstehen sollen, nachdem er oft mit angesehen, wie die Leute mit ihren Vorurtheilen sich in Lionel verrechnet hatten. Der Neuling betrachtete mit Erstaunen den jungen Page beim Stelldichein vor der