Chapter

1. Kapitel

Der Generalkonsul frühstückte. Mit der den alten Junggesellen eigentümlichen Sorgfalt schälte er das Ei, das in einem braunen Fayencebecher steckte, aus der Schale und löffelte es bedächtig. Dann trank er einen Schluck Tee, aß eine Scheibe blutroten Schinken und griff zur Morgenzeitung. Die Zigarre bildete den Schlußakkord dieses kleinen lukullischen Auftaktes zur Behaglichkeit des Tages. Eines Tages, wie es ein von den Unbilden der Zeitläufte nicht zu arg berührten Bürgers darstellte. In die Stille dieser Behaglichkeit, die das sonnenerhellte Speisezimmer erfüllte, trat Werner. Lässig, etwas im müden schleppenden Ton, sagte er: »Guten Morgen, Onkel!« Der Generalkonsul blickte unter dem goldenen Einglas, das seinem alten Bonvivantgesicht eine gewisse Forsche gab, erstaunt und zugleich neugierig auf den Eingetretenen. »Schon auf oder – noch auf?« Der Generalkonsul liebte es, den Ernst des Lebens durch einen an richtiger Stelle angebrachten Scherz zu mildern. Werner setzte sich dem Onkel gegenüber. Der alte Diener Fritz, ein Inventar des Hauses, so abgebraucht wie die Teppiche und Möbel hier in der Villa, aber ebenso gediegen in der Qualität wie diese Gegenstände, legte lautlos ein Gedeck auf und servierte dem jungen Herrn das Frühstück. »Wie Du willst, Onkel – schon auf – aber auch noch auf. Ich habe wenig geschlafen.« Der Generalkonsul wußte sofort, um was es sich handelte.

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