Die Opritschniks
Am 23. Juni des Jahres 1565 ritt an einem heißen Sommertage der junge Fürst Nikita Romanowitsch Sserebrjanyi, einer jener mächtigen Bojaren, die den höchsten und einflußreichsten Stand des alten Rußlands bildeten, mit seinem Gefolge in das Dorf Medwedewka ein. Froh und leicht war es dem Fürsten ums Herz, nach fünf ruhmvollen Kriegsjahren in Litauen endlich in die Heimat zurückkehren zu dürfen! Der Tag war sonnig und hell, einer jener Tage, an denen über der ganzen Natur etwas Festliches liegt, wenn die Blumen farbiger, der Himmel blauer, die Luft durchsichtiger sind und dem Menschen so leicht zumute wird, als ob seine Seele selbst in die Natur eingegangen wäre und mit in jedem Blättchen erzitterte, auf jedem schwanken Halm sich wiegte. Hell und licht war der Junitag, aber dem Fürsten erschien er nach seiner langen Abwesenheit von dem geliebten Rußland noch lichter. Aus Feldern und Wäldern atmete die Heimat. Schon von weitem klangen den Reitern aus dem Dorfe fröhliche Lieder entgegen, und als sie bei den ersten Häusern vorbeikamen, sahen sie, daß in Medwedewka ein Fest gefeiert wurde. An beiden Enden der Straße hatten sich die Burschen und Mädchen mit grünen Kränzen auf den Köpfen in zwei Gruppen je um eine mit bunten Tuchfetzen geschmückte Birke zum Chorowod, einer Art Rundtanz, aufgestellt. Bald sangen die Gruppen gleichzeitig, bald nacheinander, redeten aufeinander ein und