Erster Band, Erstes Kapitel
Ein Brief von Herrn Walpole, den ich gestern erhielt, hat mich die ganze Nacht träumen gemacht, denn ich bin wie Lafontaine's Haase in seinem Lager, ich träume in dem meinigen viel, wenn ich nicht darin schlafen kann. Da es seit fast einem Jahrhunderte mehre sehr bekannte Walpole's in der Welt giebt, so ist es billig, daß ich hier darthue, wer der meinige ist. Er ist weder Robert Walpole, erster Graf von Oxford, Minister des Königs Georg I., noch Horaz Wolpole, der Bruder des genannten, Gesandter in Frankreich bei den Generalstaaten; er ist Horaz Walpole, der Neffe des Letztern und dritter Sohn des Ministers, Schloßherr von Strawberry-Hill, mein bester Freund und eifrigster Correspondent. Walpole gab mir, ein wenig barsch vielleicht, nach seiner Gewohnheit, ein Mittel, einen Hauptfeind zu bekämpfen, die Langweile nämlich, die mich trotz aller meiner Gegenanstrengungen verfolgt und verzehrt. Er hat mich veranlaßt, Erinnerungen aus meinem Leben zu schreiben; er sagt mir, daß ich viel gesehen habe, und daß ich mir folglich viel in das Gedächtniß zurückrufen könne. Das ist wahr, aber ich langweile mich bereits dergestalt über meine traurige Person, daß ich mich ohne Zweifel noch mehr langweilen werde, wenn ich von mir spreche. Ich habe indeß ein Hilfsmittel, das ich gewiß anwenden werde, und dies besteht darin, mich mehr mit Andern, als mit mir selbst zu beschäftigen. Ich werde