1. Kapitel. Frau Hortensie von Bomst.
Das wir damals mit dem in der Zwangsversteigerung erworbenen Rittergut Bomstdorf zugleich auch die Verpflichtung übernommen hatten, die Vorbesitzerin nebst Anhang bis zu ihrem Ableben in dem sogenannten Parkhause wohnen zu lassen, hatte uns bei den Vorverhandlungen mit dem Güteragenten Siegfried Stahlbein nicht weiter gestört. Harst kaufte das durch die Verschwendungssucht der Herrn von Bomst-Bomstel bis auf 1300 Morgen zusammengeschmolzene Gut ja auch weniger für sich als für Frau Lissie Blank, die mit ihrem Gatten noch in Italien hochzeitsreiste. An einem etwas trüben Junimorgen verlegten wir dann unseren Haushalt bis auf weiteres nach Bomstdorf. Stahlbein mit seinen kräftig geschweiften O-Beinen und seiner Glatze, die bis ins Genick reichte, begrüßte uns vor der Freitreppe des uralten baufälligen Kastens, dem die Herren von Bomst-Bomstel sehr kühn den Titel »Schloß« verliehen hatten, mit einer feierlichen Ansprache. Ringsum standen die Gutsarbeiter, die Hausangestellten und der von Stahlbein neu engagierte Inspektor Güddicke, ein jüngerer Herr von vorbildlicher Eleganz und Vorliebe für andauernde Verbeugungen. Herr Inspektor Erich Güddicke, diplomierter Landwirt, litt gerade an einer Bartflechte, und Kinn, Wangen und Oberlippe glänzten stellenweise diskret von einer weißen Salbe. Sonst aber, den Kopf abgerechnet, war dieser Stoppelhopsergent durchaus tipp topp. Nachdem wir