Chapter

Der schwarze Araber

Bei der Station ›Rechte Wolga‹ hielt unser Zug vor einer großen, wie es hieß, nicht ganz zuverlässigen Brücke. »Werden wir heil hinüberkommen?« fragte ich meine Begleiter. »Gott ist gnädig!« antworteten diese. Der Zug setzte sich in Bewegung und brachte uns zur ›Linken Wolga‹. Bald darauf begann der Ural. Die Nadelwälder rauchten. Es war sehr feucht, ich blieb aber auf der Plattform, um den Grenzpfahl mit der Inschrift ›Europa und Asien‹ nicht zu verpassen. »Gleich kommt er!« sagte ein Junge und bot mir Postkarten mit Uralansichten an. Ich wählte mir eine Karte mit dem weißen Pfahl und der Inschrift ›Europa‹. »Der Pfahl!« schrie der Postkartenjunge. So kamen wir aus Europa nach Asien. Hier gab es die gleichen Tannen und die gleichen mit Gestrüpp wie mit Borsten bewachsenen alten Hügel und Berge. Mir kam es aber vor, als ob hier auf den Birken mehr gelbes Laub zu sehen wäre; auf der Grenzlinie zwischen Europa und Asien, zwischen Sommer und Herbst, erschienen die Birken wie leicht ergraute, aber noch junge schöne Frauen. Ich dachte: diese uralten, verwitterten Hügel des Ural waren vielleicht vor Zeiten ebenso hoch und blühend wie die Gipfel der Alpen. Auch die Berge altern. Vor Zeiten flog an ihnen so ein weißer Pfahl mit einer schwarzen Inschrift vorbei, und sie senkten sich. In Asien empfingen uns die tannenbewachsenen Hügel wie in uralte Pelze gehüllte Großmütter. Europa ist

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