Der Schulmeister von Coeverden
Wo’s um nichts geht, macht das Gepräg den Thaler, wie die Kutte den Mönch und der Federbusch den Soldaten. Darum verdämmert in der Zeiten gewöhnlichem Lauf gar manches Licht unter dem Scheffel, stirbt unbeachtet manches Herz, das kühn und thatenlustig unter unscheinbarer Hülle schlug. Anders ist es in den Tagen des Krieges und der Noth; da wird ein Hirtenmädchen zur Befeierin des Vaterlandes, da erhebt die Tugend der Mannhaftigkeit Lakaien und Schneidergesellen zu hohen Ehren. Nicht anders war es auch mit dem friedfertigen Schulmeisterlein von Coeverden, das ganz im Stillen Haar auf den Zähnen trug. Was ist Coeverden, und wo? —— Coeverden ist ein Kibitznest, rings von Sümpfen umgeben, wo hindurch nur drei Zugänge zur Stadt führen. — Merkwürdig, wie der Mensch überall leben und gedeihen mag, während doch sonst jegliches Geschöpf in seinen besondern Kreis gebannt ist. Auf hohen Klippen, aus lustigen Baumwipfeln horstet das adlige Raubgefieder; trockene, hochgelegene Waldungen sind des Auerwildes Standort; die Waldschnepfe liebt dichtes Gestrüpp, den offenen Sumpf die Moosschnepfe, und alle bleiben fein in ihren angewiesenen Grenzen. Nicht so der Mensch. Die Kinder desselben Stammes wohnen weit von einander wie Aar und Kibitz; auf stolzen Alpen der Tiroler, in nebelfeuchten Ebenen der niederdeutsche Bruder. Beide sind sie mit gleicher Liebe dem mütterlichen Boden zugethan, und im