Chapter

Sechstes Kapitel

In einer kleinen grünen Mulde, die köstlich bespült wird von der blauen Flut des rauschenden Meeres, liegt, seitwärts von der Landstraße, die nach La Condamine führt, die »Lorbeervilla«. In dem Garten, der sich abfallend bis ans Meer zieht, verschlingen blühende Mimosen, Rosen und Tamarinden ihre Zweige zu einem duftenden Schutzdach gegen die Sonnenstrahlen. In einem kleinen Rundell mit sandbestreutem Boden, das mit Korbstühlen und Tisch behaglich ausgestattet war, pflegte Annina arbeitend oder lesend ihre Tage zu verbringen, dort suchte und fand sie der Vicomte, als er nach seiner Unterredung mit Saint-Yrieix von Monte Carlo zurückkam. Annina brauchte nur in sein Gesicht zu sehen, um zu wissen, daß ihm das Glück wiederum nicht günstig gewesen war. Er gab sich jetzt nicht mehr die Mühe, ihr gegenüber seine Stimmungen zu verbergen, und war nach Verlusten so finster und gedrückt, als er fröhlich und übermütig heimkam, wenn er gewonnen hatte. Mit reizender Sanftmut pflegte Annina ihn aufzuheitern, wenn er heruntergestimmt, sich mit ihm zu freuen, wenn er übermütig war, obwohl sie den tiefsten Abscheu vor dem Spiel hegte und alles aufbot, um André davon abzuhalten. Sie liebte ihn so leidenschaftlich, daß sie ihn unaufhörlich vor sich selbst entschuldigte und all seine Torheiten mit Geduld ertrug. Ohne sie zu küssen, warf er sich neben ihr in einen tiefen Lehnstuhl und fragte

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