Der Schrei der Liebe
Drunten am Meere, an der weißen Marmortreppe, die zum Königsschlosse aufwärts führte, schaukelte die Barke des heimgekehrten Gesandten; teppichbehangen, mit einem rotseidenen Baldachin und mit der blitzenden Krone auf vergoldetem Bug. Der alte Cardini stieg entblößten Hauptes die Treppe empor, hielt sich gebückt, wie vergraben in dem weiten Purpurmantel und schlug kaum die Augen auf, als er an den grüßenden Wachen vorbei durch die Vorhalle schritt. Vor ihm her ging ein stolzer Knabe mit schimmernden Locken und trug auf einem Kissen von Brokat ein kleines, kunstvoll in Email ausgelegtes Kästchen. Das war Angelo Dossi, der Sohn des Oberhofmarschalls, Page bei dem greisen Fürsten Cardini, und er kehrte in diesem Augenblick nach zweijähriger Abwesenheit in seine Vaterstadt zurück. Allein, wie sie jetzt durch eine lange Galerie hintereinander dahinwandelten, sandte weder der Greis noch das Kind einen Blick durch die Fenster zur geliebten Stadt hinunter. Des alten Fürsten kahles Haupt blieb gesenkt, denn der Gesandte wußte, daß sein erster Gruß in der Heimat des Königs Eigen sei. Der Knabe jedoch hielt die feinen weißen Hände behutsam unter das Brokatkissen und er schaute dabei unverwandt mit hellen Augen auf das Emailkästchen, als bärge es alle Wunder der Welt. Also hielten beide ihren Einzug in den königlichen Saal, vollführten von der Seitenpforte her, durch die sie hereingekommen