Chapter

Fünfzehntes Kapitel. Eine zufällige Begegnung

Es bestand nun ein offener Bruch zwischen dem Ehepaar Steel, wenn auch dritte Personen keine Veränderung in ihrem Benehmen gegeneinander wahrnehmen konnten. Im Grunde waren eben nur die Fäden zerrissen, die die von Anfang an zwischen Rahel und ihrem zweiten Gatten gähnende Kluft überspannt hatten. Diese Kluft war für solche, die häufig mit dem Paare in Berührung kamen, wohl deutlich sichtbar, aber jene feinen Fäden der Sympathie hatten die bloßen Augen einer oberflächlichen Beobachtung nicht zu entdecken vermocht. Da es also keine sichtbare Veränderung gab, so konnten Fremde auch nichts davon bemerken. Zum Streiten gehören bekanntlich immer zwei, und Steel sträubte sich mit einem unerschütterlichen Gleichmut dagegen, einen davon abzugeben. Rahel konnte ihn auf die schwersten Proben stellen, keine Abweisung entmutigte ihn, keine Laune verdroß ihn, und diese Unempfindlichkeit wurde von seiner erbitterten Gattin nicht als die geringste der ihr angetanen Kränkung angesehen. Nur gegen jemand, der uns schon einmal wärmere Gefühle eingeflößt hat, kann man einen solch heftigen Groll empfinden, wie Rahel ihn jetzt gegen ihren Galten hegte. Das Gift eines falsch angebrachten Vertrauens brannte in ihrem Blute. Wohl hatte er ihr ja manches eingestanden, Rahel aber genügte das nicht, und gerade jener eine Punkt, über den er sie hartnäckig im Dunkeln ließ, verdrängte alles andre aus ihren

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