Chapter

Der Schädel mit den Goldzähnen

1. Kapitel. Zähne. »Ich würde mir das Ding herausreißen lassen,« sagte Harald abermals, nachdem mir auch unserer Mathilde sonst bewährtes Zahnschmerzmittel nicht geholfen hatte und ich immer noch ein trainierender Weitstreckenläufer im Gemüsegarten hin und her gerannt war. »Bendig wohnt ja ganz in der Nähe, und eine Wurzelhautbehandlung bleibt eine zweifelhafte Sache. Glücklich der Mensch, der ein künstliches Gebiß hat. Zähne sind wie die alten Jungfern: Je älter, desto bissiger!« Er lachte mitleidslos. Und er dachte: Feigling! »Ich gehe …!« Es war ein heroischer Entschluß. Ich kenne Leute, die neben einer Dynamitpatrone mit brennendem Zünder schlafen würden und sich doch vor dem bequemen Marterstuhl eines Zahnarztes fürchten. Ich ging. — Arthur Bendig, Zahntechniker, wohnte in einem eigenen Häuschen in der Kissinger Straße. — Es war ihm auch nicht an der Wiege gesungen worden, daß er, der einstige Plantagenbesitzer, noch mit fünfzig Jahren umsatteln müßte. Ihm hatte eine ganze Insel in der Südsee gehört. Nach dem Kriege stand er vor dem Nichts. Er kam nach Berlin, wurde Zahntechniker, verzichtete auf alle Entschädigungsansprüche und erwarb für den Erlös einer wunderbaren Sammlung melanesischer Raritäten das Häuschen, in dem er zusammen mit einem kanakischen Diener, der ihm die Treue bewahrt hatte, ganz zurückgezogen lebte. Seine Praxis war gering. Bendig verstand es nicht,

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