Der Saal ohne Fenster
Der alte Pfarrer von Reddin, dem kleinen märkischen Dorfe, hatte Sorgen. Sorgen, die nichts mit seinem Amte zu tun hatten. – Dieser alte Pfarrer war trotz seiner siebzig Jahre von einer bewundernswerten Frische. Körperlich und geistig. Wie er jetzt so in seiner Werkstatt stand und das Schnitzmesser eifrig handhabte, um die Christusfigur für seine Kirche recht bald zu vollenden, lag auf seinem von weißgrauem Bart umrahmten Gesicht nicht wie sonst der Ausdruck freudiger Begeisterung für diese Kunst der Bildschnitzerei. Etwas Versonnenes zeigte sich in seinen Zügen, und zuweilen hielt er in seiner Arbeit inne und schaute durch die offene Tür grüblerisch hinaus in den weiten Garten des Pfarrhauses, wo der Sommer all seine grüne Pracht entfaltet hatte ... Da war an einen mächtigen, von Früchten über und über betupften Kirschbaum eine lange Leiter gelehnt, und zwischen den Zweigen hindurch schimmerte ein helles Kleid, eine blaue Wirtschaftsschürze und das blonde Köpfchen eines jungen Mädels ... Es war Helga Marling, die hier bei der Frau Pfarrer Herms die Wirtschaft erlernte, – Kochen, Backen, Kleinviehbesorgen und vieles andere, denn die Pastorin war weit und breit als vorzügliche Hausfrau bekannt. Der Pfarrer Herms, der alte Pfarrer, der noch so jung war, trat jetzt in die Tür ... »Helgachen – nicht zu waghalsig, Kind ...? Kirschbaumäste brechen leicht!« rief er dem blonden