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Vorwort: Der russische Christ

Vorwort: Der russische Christ Wladimir Ssolowjow meinte irgendeinmal, in Rußland gäbe es mehr Heilige als anständige Menschen. Das war ein tiefes Wort – ein Wort, welches das Problem des Russen im Schnittpunkt der Koordinaten, die seine Oberfläche mit dem Wesen verknüpfen, faßt. Das ganze Westländertum in seiner Fortschrittlichkeit beruht auf dem Ernstnehmen der christlichen Forderung, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen. Alles Äußerliche, alles Materielle soll zum Ausdrucksmittel und Ausdruck des Geistes werden. Der russische Mensch, hierin dem Inder ähnlich, statuiert, wo er echt ist, keine notwendige Gleichung zwischen Materie und Geist. Deshalb wird jene bei ihm nur ausnahmsweise geistgemäß Deshalb ist gerade der anständige Mensch, die abendländische, zumal die protestantische Norm, in Rußland eine Ausnahmeerscheinung. Daß das weltliche Leben in Rußland viel zu wünschen übrig lassen muß, ergibt sich aus dieser einen Erwägung als Selbstverständlichkeit. Von Peter dem Großen ab haben die europäisierten Herrschenden versucht, dem Übel eben durch Europäisierung zu steuern – doch mit nur sehr geringem Erfolg, weil der anständige Mensch, wo er vorkommt, vom Volk nicht anerkannt, sondern unverkennbar, wenigstens ein klein wenig, verachtet wird. Der »akkurate« Deutsche war ihm von jeher eine Zielscheibe gutmütigen Spotts; die ehrlichen Balten, die eben um dieser einen

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