Abschnitt 1
»Sauternes!« sagte Lars Oevelund. Bringen Sie Sauternes!« Der Speisesaal war nicht sonderlich groß. Er war völlig in pompejanischem Rot gehalten, das wie dunkle, ruhige Flammen an den schlanken Säulen emporstieg. Das Orchester war nicht sichtbar; es mochte in einer der kleinen blumenbedeckten Logen der Galerie versteckt sein. Der Saal war erfüllt von jener sanften und zärtlichen Atmosphäre, die sich aus Duft, Musik und Flirt zusammensetzt, und das Gewoge der Sprachen, das in zerrissenen Intervallen durch den Raum klang, war völlig international. »Man hört kaum ein dänisches Wort!« lachte Griggs. Ulsaker nickt. Die andern nickten, und Ulsaker sagte: »Das ist ein Glück. Es bedeutet für uns Kopenhagener, daß der Winter vorbei ist.« Die hohen Glastüren pendelten auf, ein Schwarm neuer Gäste flutete herein. Feuchtschimmernde Pelze trugen den herben Duft des jungen Vorfrühlings da draußen wie eine fremde und feindselige Welle in den Saal. »Da kommt der Sauternes«, sagte Kjelland. Das Adagio der Geigen setzte ein; das Stimmengewirr im Saal verstummte, seltsam genug, auf einen Schlag. »Welche fremdartige Harmonie«, flüsterte Ulsaker; »ich habe nie etwas Ähnliches gehört.« Oevelund blickte hinüber: »Es ist die neue Oper von Pizzetti › Debora et Jaele‹.« »Sie kennen doch alles!« »Ich war zufällig in der Premiere: im Scala-Theater in Mailand; Toscanini dirigierte, das war, offen