Erstes Kapitel
Ein gräßlicher, naßkalter Tag war der letzte Tag des Novembers. Vor einer Buchhandlung in der Wiener Ringstraße schritt ein junger Mann fröstelnd auf und nieder, ein recht hübscher Mensch. Eine große Ungeduld und eine peinvolle Unruhe schienen ihn immer wieder auf und ab zu treiben. Wie oft hatte er schon die Uhr gezogen, wie oft war er schon im Begriffe gewesen, die Buchhandlung zu betreten! Endlich schlug es zwölf von den Türmen, und gleich darauf traten drei Herren aus der Buchhandlung auf die Straße heraus. Merkwürdigerweise zog sich der so ungeduldig Wartende jetzt unter den nächsten Torbogen zurück. Er ließ die beiden vorderen vorbeigehen, erst den dritten, eine große und schlanke Gestalt, rief er leise an. »Otto,« wiederholte er, »komm mit mir. Wir gehen gleich hier durch.« Der Angerufene schaute den Wartenden köpfschüttelnd an und sagte: »Was bringt denn dich hierher? Und wie siehst du aus? Es ist doch hoffentlich nichts geschehen, Fritz? Ist der Mutter etwas zugestoßen? Hast du schlechte Nachrichten von daheim?« Otto Falk faßte seines Stiefbruders Arm fest und zwang ihn so, stehen zu bleiben. Seine Augen suchten jedoch vergeblich des anderen Blick. »So rede doch!« drängte Otto. »Was ist geschehen?« »Daheim ist nichts geschehen. Es ist wenigstens kein Brief gekommen. Aber mir ist etwas passiert.« »Was?« »Ich habe mehr Geld verbraucht, als ich hatte.« »Du hast also mit