I. Die Familie Denis
Der Chevalier von Harmental und der Abbee Brigaud verließen das Dachstübchen und stiegen zu der Wirthin hinab. Madame Denis hatte es nicht für rathsam gehalten, daß zwei so unschuldige Mädchen wie ihre Töchter, mit einem jungen Mann frühstückten, welcher, obgleich er kaum drei Tage in Paris war, erst um elf Uhr Abends nach Hause kam und bis zwei Uhr Morgens Clavier spielte. Der Abbee Brigaud stellte ihr vergebens vor, daß diese zwiefache Versündigung gegen ihre häuslichen Polizeigesetze, den Character seines Schützlings keineswegs beeinträchtige, für dessen Sittlichkeit er sich selbst verbürge; alles was er von ihr erlangen konnte, war, daß die Demoiselles Denis beim Nachtisch erscheinen sollten. Der Chevalier bemerkte indeß bald, daß wenn ihre Mutter ihnen auch verboten hatte sich zu zeigen, sie ihnen wenigstens nicht untersagt hatte, sich hören zu lassen. Kaum hatten die drei Tischgenossen an der kleinen runden Tafel Platz genommen, auf der das wahrhafte Frühstück einer Frömmlerin sich in vielen kleinen leckeren Schüsseln appetitlich den Blicken darbot, als auch im Nebenzimmer die Töne eines Spinetts zu erklingen begannen, welche eine Stimme begleiteten, die zwar umfangreich schien, aber so viele musikalische Böcke schoß, daß man leicht erkennen konnte, sie gehöre einer Anfängerin an. Bei den ersten Tönen legte Madame Denis ihre Hand auf den Arm des Abbee; »Hören Sie wohl,