Natan Hakohen
Entgegen seiner Herkunft aus priesterlichem Stamm, dessen Namen er fuhrte, lebte Natan Hakohen abgeschieden von der Gemeinde und ihrem Dienst. Als Knabe schon im vaterlichen Handel tatig, war er mit Lea, einem schmalen, lieblichen und scheuen Wesen aus befreundeter Sippe, vermahlt worden. Sie zog ins Haus von Natans Eltern, die wenige Jahre darauf bald nacheinander verstarben. Natan, bis dahin von dem kranklichen und cholerischen Vater knapp und strenge gehalten, breitete sogleich eine laute und gewaltsame Herrschaft uber das gesindereiche Haus und Geschaft aus. Die erfahrenen Diener des Vaters storte er mit unbedachten, herrischen Anweisungen aus der Ordnung ihres Tuns, ohne eine neue Ordnung erfinden zu konnen, und wahrend er auf solche Art das Geschaft in Verwirrung hinein regierte, geriet der jungen Frau, deren ursprungliche Schuchternheit sein wildes Gebaren zur Lahmheit des Wesens und Willens hatte verstocken lassen, auf andere Art der Haushalt in nicht geringere Wirrnis. Sie liess die Magde schalten, die, den Verfall witternd, aus dem untergehenden Vermogen noch alle nur mogliche Bereicherung sich zu gewinnen wussten. Je weniger nun der Mann die eigene Sache gedeihlich zu fuhren vermochte, desto grimmiger richtend eiferte er gegen die Frau. Leas Fremdheit gegen ihn wurde Abneigung, die ihre durchsichtigen Zuge nicht verbargen. Daran aber entflammte sich in ihm zwar nicht