Der Rath
»Ich versichere Sie, meine Dame, das Stück ist durchaus moralisch.« »Ich theile Ihre Ansicht nicht, mein Herr; ich finde es vielmehr höchst unmoralisch.« »Die Leute sind sehr nahe daran, sich zu verständigen«, sagte ein junger Mann. »Sie kennen das Stück nicht«, antwortete ihm mit leiser Stimme eine junge Dame. »Sie haben es aufführen gesehen?« fragte der junge Mann. »Ja«, antwortete sie. »Sie waren mit Herrn de la Plaine im Schauspiel ... « »Ich kann es nicht leugnen!« »Ohne Ihren Gemahl, ohne Ihre Mutter.« »Mein Gott!« entgegnete sie mit einem erzwungenen Lächeln, »das Incognito ist in Paris nicht gut erhalten!« »Sie wollten sich also verbergen?« »Nein«, sagte sie; »wenn ich das gewollt hätte, so würde es mir doch nicht gelungen sein, wie Sie sich selbst überzeugt haben! Nun, es ist aber schön, das ich weiß, daß Sie mein Spion sind!« »Nein, meine Dame«, antwortete der junge Mann »ich bin nur Ihr Schutzengel ... « »Das bleibt sich gleich, sollte ich meinen«, sagte sie, »die Schutzengel sind die Spione des Herzens.« »Ja, aber ein Spion muß bezahlt werden. Könntet Sie mir aber wohl sagen, was die guten Engel bei ihren Aufpasseramte verdienen?« Die junge Dame betrachtete den Sprechenden mit unruhigen Blicken ... Während dieses bei Seite war der Streit ziemlich heftig geworden. »Mein Herr!« sagte die Hausfrau zu den Repräsentenaten der Meinung, welche der ihrigen entgegengesetzt