Erstes Kapitel. Ein merkwürdiger Tag
»Liebst du sie wirklich?« fragte Asbjörn Krag und schaute seinen Freund forschend von der Seite an. Rittmeister Ivar Rye fuhr heftig auf. »Du kennst mich doch!« rief er. »Ich bin kein Freund großer Worte, am wenigsten, wo es sich um meine eigenen Gefühle handelt. Während meiner Reisen in Asien und Afrika habe ich gelernt, Taten zu schätzen und die großen, leeren Worte zu verachten. Du weißt also, daß ich wirklich aus meines Herzens innerster Ueberzeugung rede, wenn ich sage, ich liebe sie.« Rye trat ans Fenster und schaute hinaus. Die Bäume der Allee draußen prangten im ersten frischen Grün des Maien. »Jetzt bin ich fünfunddreißig Jahre alt«, sagte er. »Ich bin weit in der Welt herumgekommen und glaube, daß ich jetzt endlich das Glück meines Lebens gefunden habe. Wenn mir dies entrissen wird, so bin ich – das fühle ich bestimmt – für immer unglücklich. Dann bleibt mir nichts, als wieder die Welt zu durchstreifen.« Ivar Rye setzte sich wieder Asbjörn Krag gegenüber und fuhr mit demselben tiefen Ernst fort: »Nun möchte ich die Sache mit dir besprechen, weil ich weiß, daß du ein Mann von scharfem Verstand bist, und weil ich dich als meinen Freund schätze. Ich habe in der letzten Zeit unaufhörlich über die Sache nachgedacht, und ich bin zu der Ansicht gekommen, daß sich irgend etwas Geheimnisvolles zwischen sie und mich gestellt haben muß. Willst du mir helfen?« »Du gehst ja