Würde des Lehrstandes
Des Menschentumes höchste Krone Ist wahre, reine Menschlichkeit; Sie ist des Lebens Wunderblüte, Des Daseins Zauberherrlichkeit. Drum wollen wir sie sorgsam mehren In Wort und Tat durch unsre Lehren. Ein hilflos Wesen, unvermögend, So tritt der Mensch in diese Welt; Sein Ich ist dunkel und gestaltlos Erscheint ihm Himmel, Wald und Feld. Da führt die zarte Mutterliebe Ihn durchs verworr'ne Weltgetriebe. Die Jahre fliehen pfeilgeschwinde; Der Säugling wächst gesund heran. Dem Knaben folgt die Mädchenrose Hinaus zum grünen Wiesenplan; Dort pflegen sie voll Lustgefühle Der sonnenheitern Kindesspiele. Das sind der Jugend Wonnetage Voll Märchenduft und Seligkeit – Das ist des Lebens folgenschwerste, Des Daseins Lern- und Strebezeit. Die Schule nimmt mit Wohlgefallen Das Kindlein auf in ihre Hallen. Hier sitzt das kleine Zukunftswesen Mit einem Blick, so engelsmild, Und schaut empor zu dir, o Lehrer, Wie auf ein hehres Gottesbild! Du bist ihm Vater, Freund und Führer, Bist Bruder ihm, und doch – Regierer! Aus deinem Auge leuchtet Güte, Aus deinem Mund dringt Vaterwort; Das Kind ist deine zweite Seele, Die Schule ist dein Lieblingsort. Gottähnlichkeit ist deine Sonne, Erziehung deine höchste Wonne! So führst du fragend und belehrend Den Zögling ein ins weite Feld Der Wissenschaften und der Künste, Und schenkst ihm so die Geisteswelt Mit allen ihren Wissensschätzen Und Formeln, Regeln