Vorrede
Willkommen, lieber Leser, welche Weltanschauung du auch bekennen magst! Um mich vor übler Nachrede, soweit es angeht, zu schützen, will ich mit einer Vorrede beginnen. Diese »wahrhaftige Geschichte« – so würde Meister Hackländer sagen – hat eine Tendenz. Ich habe nämlich zwei fixe Ideen, erstens: Jedes menschliche Werk, sei es ein Kunstwerk oder nicht, verfolgt einen Zweck, und jedes menschen würdige Werk dient diesem Zwecke in der Verherrlichung des Guten, Schönen und Wahren; zweitens: So verschieden die Menschen auch über den Urquell des Guten, Schönen und Wahren urtheilen mögen, jeder hat das Recht, seine Ansicht offen und ehrlich zu vertheidigen. Dieses Recht kann hier und da auch wohl zur Pflicht werden. Jedenfalls bezeugt die Erfahrung jedem, der das Leben kennt, daß unsere Zeit trotz Realismus, Materialismus und all der andern Ismen ein ganz besonderes Interesse an religiösen Fragen gewinnt. Ist es nun dem Redner und dem Manne der Wissenschaft gestattet, zu diesen Fragen öffentlich Stellung zu nehmen, so läßt sich schwerlich ein Grund einsehen, warum man es dem Belletristiker verwehren wollte, jene Gegensätze, die sich um die Wende des Jahrhunderts so auffallend zuzuspitzen scheinen, zu beobachten und in den Rahmen seiner Erzählung einzuflechten. Wer nicht selber farbenblind ist, muß doch wohl natürlicherweise auch Farbe bekennen. Der echte, rechte Mann bekennt mit Herz