I. Aus der Pfarre von Waston in der Provinz Wallis
I. Aus der Pfarre von Waston in der Provinz Wallis, den 5. November 1754. Mein lieber Petrus! Obgleich Sie mir noch nicht auf die Briefe geantwortet haben, die ich Ihnen auf Ihr Verlangen schrieb, — denn ohne Zweifel sind Sie in die Aufklärung irgend einer neuen historischen Thatsache vertieft, — so fahre ich nichts desto weniger fort, diese Geschichte zu schreiben, die bestimmt ist, Ihnen eines Tages übersandt zu werden. Der Mensch denkt und Gott lenkt! Wer weiß, ob ich jemals mein großes Werk, den Gegenstand meiner jugendlichen Träume, schreiben werde? Wenn ich es nun aber nicht schreibe, so werde ich wenigstens die bescheidenen Ereignisse meines Lebens geschrieben haben, werde ich das ruhige und freundliche Bild eines Familienlebens hinterlassen, die Geschichte zweier einfachen Herzen nach dem Geiste Gottes erzählt zu haben, und auf diese Weise wird, Dank dem Platze, den Sie ohne Zweifel dieser naiven Erzählung in Ihrem großen Werke über den Menschen geben werden, nicht jede Spur meines Lebens und dessen meiner vortrefflichen Frau von der Erde verschwunden sein, wenn wir es selbst sind, um uns nebeneinander auf dem Friedhofe auszuruhen, den ich durch das Fenster meines Arbeitzimmers von dem Schreibtische aus erblicke, an welchem ich Ihnen schreibe; — ein stiller Platz wuchernden Grases, mit zerbrochenem Kreuze und moosbedecktem Steine. Seit zwölf Tagen sind wir in Waston