Was in der Nacht vom 14. zum 15. November 1534 in einem Kerker der Feste von Mailand vorging
Was in der Nacht vom 14. zum 15. November 1534 in einem Kerker der Feste von Mailand vorging. Einige Minuten vor neun Uhr,« fuhr Odoardo fort, »zeigte der Schließer der Gräfin an, daß es Zeit sey, sich zu entfernen; die Wachen würden abgelöst werden und es sey gut, daß die Wache, welche sie hereinkommen sah, auch wieder sie fortgehen sehe. Die Trennung war eine schmerzliche und doch sollte man einander nach drei Stunden wiedersehen und bald auf immer mit einander vereinigt seyn. Das Kind weinte heftig und wollte den Vater nicht loslassen, Die Gräfin brachte es fast mit Gewalt fort; man ging wiederum vor der Schildwache und dem Schließer vorbei und gelangte in das tiefste Dunkel des Hofes. Von da kamen sie wirklich glücklich in die Wohnung des Schließers, ohne gesehen worden zu seyn. Hier schloß man die Gräfin und deren Kind in eine Kammer ein und empfahl ihnen, kein Wort zu sprechen und sich nicht zu rühren. Es konnte jeden Augenblick ein Aufseher eintreten; die Gräfin und das Kind verhielten sich stumm und unbeweglich. Die drei Stunden, welche sie noch von Mitternacht trennten, erschienen der Gräfin so lang, wie die achtundvierzig Stunden, welche vergangen waren; endlich öffnete der Schließer die Thür wieder. »Kommt,« sagte er kaum hörbar leise. »Die Mutter hatte das Kind nicht lassen mögen, damit der Vater bei der Flucht ihm einen letzten Kuß geben könne; es gibt ja auch