Chapter

Der Nonnenstein

Der Schnee fiel in schweren, wäßrigen Flocken. Elendes Winterwetter – naß, nicht kalt und nicht warm. Der Porzellanfabrikant Gottlob Schwanemann, so hager er war, atmete mühsam auf dem steilen Hügelpfad, der sich zwischen den beiden jäh in die Tiefe fallenden Kaolingruben hinaufwindet. Er blieb stehen und putzte die schneeverklebten Brillengläser. »Da ist er ja schon, mein Herr Bruder«, sagte Gottlob verdrießlich, als ihm die blanke Brille wieder auf der Nase saß und ein deutlicheres Bild der flockenverhängten Welt zur Verfügung stellte: die runde Hügelkuppe lag wenige Schritte vor ihm, und zuoberst auf ihr erhob sich, dunkel im wehenden Grauweiß der Winterluft, die mächtige Silhouette eines wohlbeleibten Mannes. »Da steht er und lacht« – Gottlob nickte zornig mit dem Kopfe – »natürlich: ich bin im Recht und er – lacht.« Ein derartig gesättigtes, breites Lachen konnte einen verärgerten Fabrikanten von der windigen Statur Gottlobs wirklich kränken: es dröhnte durch die Totenstille dieser Schneewelt. Rasch ging er die letzten Schritte zur Höhe und sagte trocken: »'n Tag, Eduard.« Die Hand hatte er zum Gruß leider nicht frei, weil er gleich seinen Zollstock aufklappen mußte. Eduard sah seinen Bruder aus zusammengekniffenen Augen an und lachte lautlos weiter. Dann zeigte er den Grubenabhang hinunter, an dem sich ein Arbeiter mit einer Meßschnur plagte. »Sieh ihn dir an, Gottlob –

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