Der neue Kreuzritter
Im Speisesaale des Gasthofes Zum Römischen Kaiser in Frankfurt am Main saßen drei junge Männer beim Nachtisch; da sie gewohnt waren, später zu speisen, als zur gewöhnlichen Eßstunde, so ließen sie sich täglich ihre Mahlzeit besonders auftragen, – und dieses gemeinschaftliche Mahl war auch die Veranlassung ihrer näheren Bekanntschaft geworden. In dem einen langaufgeschossenen, unbehülflichen, gelangweilt aussehenden Menschen erkannte man auf den ersten Blick den Engländer; er war der schweigsamste von den Dreien und selbst der Champagner, dem er ziemlich häufig zusprach, vermochte nicht seine trägen Sinne aufzurütteln. Der andere, auffallend bunt und elegant gekleidete Mann an seiner linken Seite war gerade das Gegentheil von ihm. Mit dem Ausdrucke des höchsten Vergnügens in den offenen Zügen, mit wunderbar beredter Zunge und lebhaften Bewegungen verläugnete er keinen Augenblick den süddeutschen Großstädter; er war der Neffe und Adoptivsohn eines Wiener Banquiers. Der dritte, entschieden die bedeutendste Persönlichkeit des Kleeblatts, war ein kurländischer Edelmann. Sein Gesicht gehörte zu den ungewöhnlichen; er hatte dunkelblondes Haar und schwarze Augenbrauen, die, breit und stark auf der Nasenwurzel zusammengewachsen, ein Räthsel, wie man es gewöhnlich nennt, bildeten; seine Augen waren dunkelblau, weil aber auch sehr starke, dunkle Wimpern sie beschatteten, hielt man sie