Chapter

Kapitel 1

Wenn man sich eine Jahreszeit wählen dürfte, um alle seine verdrießlichen Augenblicke dorthin zu verlegen, so müßte das unfehlbar das Frühjahr sein mit seinen freundlichen Morgenstunden, dem blauen Himmel mit den leicht dahin segelnden Wolken, der duftenden Erde voll erwartungsvoll zitternder Kräuter und neugierig aufschauender Blumen. Ja, für den Frühling sollte man sich alle Verdrießlichkeiten des ganzen Jahres aufheben, aber nicht um die schönen Tage desselben damit zu verderben, sondern um vor ihrem Duft und Schimmer alle Traurigkeit verschwinden zu lassen, wie der letzte Schnee vor einer warmen Maisonne vergeht. Wer an einem Frühlingsabend bekümmert nach Hause geht und schon im Dahinschreiten den eigenthümlichen Geruch des jungen Laubes auf sich einwirken läßt und jenen warmen, feuchten Hauch, den die Erde ausströmt und den ein Westwind uns fast dunstig ins Gesicht weht, jenen Hauch, der uns, wenn wir die Augen schließen, schwarze, aufgelockerte Erde vor unsere Phantasie zaubert, die ersten grünen Blätter, ziehende Schwalben und die Spitzen von unzähligen keimenden Pflanzen – der fühlt nach und nach die Rinde schmelzen, die sein Herz nicht nur umzieht, sondern auch schmerzhaft zusammendrückt, und wenn er alsdann in der Nacht fest und ruhig geschlafen hat und am Morgen in das lachende Gesicht des jungen, fröhlichen Tages blickt, der vergißt leicht Kummer und Leid, und was

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