Erstes Kapitel
George von Breda hatte sein Haus in der Absicht verlassen, sich in der frischen, angenehmen Luft ein wenig zu zerstreuen, und wenn er vor dem Thore seines Gartens der Richtung folgte, nach der auch Eugenie verschwunden war, so können wir versichern, daß dies anfänglich völlig absichtslos geschah. Gute, vertrauensvolle Gedanken hatten sich seines Herzens wieder bemächtigt; er verlachte seine Träumereien, er begriff nicht, wie man sich selbst so quälen könne, das ganze Wesen Eugeniens – an sie dachte er leider ausschließlich – lag ja offen vor ihm; man brauchte nur in ihr glänzendes Auge zu sehen, um sich zu überzeugen, daß in dem Herzen, welchem jenes zum Spiegel diente, etwas Falsches oder Unerlaubtes unmöglich Platz ergreifen könne. Doch während er so grübelnd durch die Straßen der Stadt schritt und sich immer mehr in seine Träumereien vertiefte, war öfters seine heitere Laune in Gefahr, wieder zu verschwinden, und düstere Wolken des Mißtrauens drohten aufzusteigen. Er kämpfte jedoch gewaltsam mit sich und war endlich so weit gekommen, sein ganzes Treiben der letzten Zeit, gelinde gesagt, für lächerlich zu halten, wobei er sich all' die kleinen Zeichen und Worte ins Gedächtniß zurückrief, die ihm doch genugsam Zeugniß geben konnten von der völligen Unbefangenheit des jungen Mädchens, von der Unschuld ihres Herzens. Aber – – und doch! – – – – Er hatte eine Straße erreicht, die