Vorwort
Ein Autor, der sein Buch abschliesst, das er nicht allein geschrieben, das er gelebt, erfahren, geschaffen hat, nimmt von einer Lebensperiode Abschied. Er hat sich neu gehäutet. Ein Stück Leben liegt hinter ihm. Alles erscheint ihm anders. Und merkwürdig, jetzt wird er zur Rechenschaft gezogen für Das, was er hinter sich hat. Jetzt wird er eingeschworen auf Etwas, das er abgeschworen hat, indem er es schuf. Hier liegt ein Problem, das bisher noch niemand erkannt hat. Ein Stoff für Tragiker: Ein Autor z. B., der Erfolg hat, und durch den Erfolg in Lebensphasen zurückgeworfen und wieder eingezwängt wird, die er gerade durch sein Werk hat überwinden zu können gehofft. Ein Autor, der ehrlich ist, müsste seinem Buche einen Epilog nachschicken, in dem er ihm selbst widerspricht. Jedes Werk hat nur einen zuständigen Kritiker und gefährlichsten Feind: den Autor selbst. Offen gestanden: Ich bin ganz froh, dass ich der Autor des vorliegenden Buches bin. Denn somit bin ich es wenigstens gewiss, dass ich es niemals werde kritisieren müssen. Und das ist immerhin schon ein Glück für mein Buch. Einen härteren und vielleicht grausameren Beurteiler wird es gewiss niemals finden. VI Kann man bescheidener sein ? – Bescheiden freilich nicht in dem Sinne der Philister! – Kann man skeptischer sein? Und kann man ehrlicher sein? Und wenn ich Alles in Allem sage: Ich halte mich ein wenig zu gut und ein