Der nackte Kaiser und der heilige Jovinian
Es geht aus alten Zeiten eine Mär, die sehr seltsame und fast unglaubliche Dinge raunt über den ehemals mächtigen Kaiser Jovinianus aus den griechischen Morgenlanden, der, nachdem er viele Jahre in gottlosem Hochmut als Herrscher gewaltet, seines Reiches und seiner Macht verlustig ging und ein frommer und demütiger Mensch und Heiliger Gottes geworden ist. Sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater hatten in ruhmreichen Kriegen ringsum all ihre Feinde niedergeworfen, hatten das Reich um das Dreifache vergrößert und aus ihren Beutezügen und Eroberungen unermeßliche Schätze um sich aufgehäuft, also daß Kaiser Jovinianus, nachdem er noch sehr jung an Jahren die Erbschaft all dieser Herrlichkeiten angetreten, sich mit einem Schlag zum reichsten und gewaltigsten Herrn der Erde erhoben sah, dem selbst die fernsten Könige durch glänzende Gesandtschaften ihre Huldigung darbrachten in fast scheuer Ehrfurcht, gerade als wenn sie seine Untertanen gewesen wären. So gab es für ihn keine Kriege zu führen, und ein anderer wäre an seiner Stelle vielleicht ein weicher Wollüstling oder ein wüster Schlemmer geworden, doch Jovinianus zeigte sich nicht von solcher Art. Seine Natur drängte ihn zur Tätigkeit. Da schienen ihm denn zunächst die kaiserlichen Gewänder, wie sie bisher üblich waren, allzu einfach und ärmlich für seinen Rang und Reichtum, und er ließ daher, und gleich in großer Anzahl,