Großmütterchen
Dreimal in der Woche begab sich Paul von Géry, sobald es Abend wurde, zu Herrn Joyeuse, um sich in der Buchhaltung unterrichten zu lassen. Die Lektionen wurden im Speisezimmer erteilt, welches an jenen kleinen Salon stieß, wo der junge Mann bei seinem ersten Erscheinen die Familie beisammen getroffen hatte. So kam es denn auch, daß er, während sein Blick auf der weißen Halsbinde seines Lehrers ruhte, und er immer tiefer in die Geheimnisse von Soll und Haben eindrang, unwillkürlich zugleich jedem kleinen Geräusch des fleißigen Waltens nebenan lauschte und sich zurücksehnte nach dem Bilde von damals, nach den hübschen, über den beleuchteten Arbeitstisch geneigten Köpfchen. Herr Joyeuse aber sprach nie über seine Töchter. Eifersüchtig auf ihre Anmut und Liebenswürdigkeit wie ein Drache, der einen Turm voll schöner Prinzessinnen hütet, fertigte er seinen Schüler, so oft dieser sich nach den jungen Damen erkundigte, mit einer ziemlich trockenen Antwort ab. Endlich gab der junge Mann das Fragen auf. Nur darüber wunderte er sich, daß er jenes Großmütterchen nie zu Gesicht bekam, dessen Name bei jeder Gelegenheit, auch wenn Herr Joyeuse von den geringfügigsten Einzelheiten seines Lebens sprach, immerfort wiederkehrte und das als Sinnbild der Ordnung und des häuslichen Friedens über der ganzen Familie zu schweben schien. Bei einer ehrwürdigen Dame, welche doch längst über die Jahre