Die Patienten des Dr. Jenkins
Die Patienten des Dr. Jenkins. Frisch rasiert, mit lebhaftem Blick, mit lachendem Wohlbehagen auf den geöffneten Lippen, das lange, grau angehauchte Haar auf den breiten Rockkragen zurückgekämmt, stand eine vierschrötige, baumstarke und kerngesunde Gestalt an einem Novembermorgen in der Rue de Lisbonne auf der Vortreppe seines kleinen Prachthauses. Es war der berühmte Arzt Dr. Robert Jenkins aus Irland, Inhaber des Medjidje-Sterns, Ritter des hochgeachteten spanischen Ordens Karl III., Mitglied mehrerer gelehrter oder wohlthätiger Körperschaften, Vorstand und Begründer der bethlehemitischen Stiftung, kurz, Jenkins, der Erfinder der arsenikhaltigen Jenkins-Perlen, das heißt der Modearzt des Jahres 1864, der gesuchteste Mann in Paris. Er stand eben im Begriff auszufahren, da that sich im ersten Stock ein Fenster auf und schüchtern rief eine weibliche Stimme in den Hof herunter: »Robert, soll ich mit dem Frühstück auf dich warten?« O wie gütig und treuherzig war das Lächeln, welches nun plötzlich den schönen Apostelkopf des Gelehrten verklärte, und wie so sicher ließ sich an dem zärtlichen Morgengruß, den sein Auge hinaufsandte zu der trauten, weißen Erscheinung hinter den aufgeschlagenen Gardinen, jene friedlich bewußte, tiefe Gattenliebe erkennen, die durch die schmiegsamen und starken Bande der Gewohnheit einen sichern Halt gewonnen hatte. »Nein, liebe ›Frau‹« (vor der Welt