1. Kapitel
Langsam senkte sich der Abend hernieder. Die Sonne stand tief im Westen, von starken Dunstmassen so verschleiert, daß man ungeblendet in die große, brandrote Scheibe blicken konnte. Von Osten her war ein schwacher Wind aufgesprungen, der etwas Kühlung brachte. Seine Kraft reichte jedoch kaum hin, die Oberfläche des Sees zu kräuseln. Strichweise nur liefen winzige Wellen, vom Volksmund „Katzenpfoten“ genannt, über den glatten Spiegel. Dazwischen lagen weite Strecken des mächtigen Sees so glatt da, als hätte sich Öl über seine Oberfläche gebreitet. Zahllose kleine Kreise, die fortwährend aufsprangen und spurlos verzitterten, wenn sie die Größe eines Tellers erreicht hatten, zeigten, welch’ reiches Leben das Gewässer barg. Myriaden kleiner Fischlein schossen blitzschnell dicht unter der Oberfläche durch das klare Wasser und schnappten nach den langbeinigen Mücken, die sorglos im Abendsonnenschein tanzten. Ab und zu schoß ein Raubfisch von unten zwischen die Menge. Dann sprangen die Geängstigten zu Hunderten mit einem jähen Ruck aus dem Wasser empor, um dem Verderben zu entrinnen. In dem dichten Schilf, das im Windhauch hin und her wogte, stand ein kleiner Kahn. Nur seine Spitze ragte in das freie Wasser hinaus. Darin saß ein großer, starker Mann, der fleißig die Angelruten handhabte. Ein breitrandiger Basthut saß auf dem vollen, leichtergrauten Haar. In dem freundlichen Gesicht