Chapter

Der Morgen des Gutsherrn

(Bruchstück aus dem unvollendeten Roman »Der russische Gutsbesitzer«) Fürst Nechljudow war neunzehn Jahre alt und Hörer des dritten Universitätskurses, als er zu den Sommerferien auf sein Landgut kam, um dort den ganzen Sommer allein zu verbringen. Im Herbst schrieb er mit seiner noch unausgeschriebenen, kindlichen Handschrift an seine Tante, die Gräfin Bjelorezka, die nach seiner Meinung seine beste Freundin und die genialste Frau der Welt war, den folgenden, hier in Übersetzung wiedergegebenen französischen Brief: »Liebes Tantchen! Ich habe einen Entschluß gefaßt, von dem mein ganzes ferneres Schicksal abhängt. Ich verlasse die Universität, um mich ganz dem Landleben zu widmen, denn ich fühle, daß ich dazu geschaffen bin. Um Gottes willen, lachen Sie nicht über mich, liebe Tante! Sie werden sagen, ich sei noch jung; vielleicht bin ich tatsächlich noch ein Kind, das hindert mich aber nicht, meinen Beruf zu erkennen, Gutes zu tun und Gutes zu lieben. Wie ich Ihnen schon schrieb, ich habe hier alles in unbeschreiblicher Unordnung vorgefunden. Als ich die wirtschaftlichen Angelegenheiten regeln wollte und sie studierte, entdeckte ich, daß das Hauptübel in der jämmerlichen, elenden Lage der Bauern besteht und nur durch Arbeit und Geduld bekämpft werden kann. Wenn Sie nur zwei meiner Bauern, den David und den Iwan, sehen und das Dasein, welches sie mit den Ihrigen führen,

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