Der Mörder
An einem schönen Wintermorgen saß die müßige Dienerschaft des französischen Gesandten zu Constantinopel unter dem Thorweg des Gesandtschaftshauses zu Pera, und schwatzte allerhand durch einander, wie die Franzosen pflegen. Ihr vorzüglichster Zeitvertreib war, die gute Stadt Paris in alle Himmel zu erheben, und ihren eigenen gegenwärtigen Zustand möglichst herab zu setzen. Ja so groß war ihre Lust zu tadeln, daß einer anfing sich zu beklagen, er habe den ganzen Winter noch keine Schneeflocke gesehen. Auch das griff ein, und mit lebendigen Gebärden beschrieben sie, einander überschreiend, sichs gegenseitig die Lust, welche sie so oft bey dem kindischen Spiele des Schneeballwerfens empfunden hatten. Während ihres Gespräches umzog sich der Himmel mit Wolken; statt des gewöhnlichen Regens fiel Schnee herab, und blieb sogar liegen, als ob das Schicksal den muntern Gesellschaft eine Artigkeit erweisen wollte. Diese hätte in einer andern Stimmung den Umstand kaum beachtet, oder ihn höchstens zur Anknüpfung eines Gesprächs benutzt, aber jetzt stürzten alle auf die Gasse hervor, und fingen mit großem Geschrei und Gelächter die gepriesene Unterhaltung an. Der Auftritt verfehlte nicht seine Wirkung aus den Pöbel, der gaffend die lustigen Gesellen immer enger und enger umdrängend, den Spielenden fast kaum einen Raum mehr zu ihren Spielen und Possen lies, doch waren sie klug genug keinen