Der Millionenerbe
Es war kurz vor zehn Uhr abends, als Manuel Belsard zum dritten Mal innerhalb der letzten Stunde bei seinem Freunde, dem Kunstmaler Hillgreen, anklingelte. Wieder öffnete ihm dessen Faktotum die niedrige, direkt in das Atelier führende Flurtür, wieder beschien das gelbliche Licht der auf dem Treppenpodest angebrachten Gaslampe Gottlieb Weitersteins kahlen, glänzenden Schädel, der ebenso sehr jedes Haarwuchses entbehrte wie eine Billardkugel. »Noch nicht zu Hause, Gottlieb?« fragte der junge Schriftsteller, indem er das Atelier betrat und sich, noch pustend von der Bewältigung der fünf Treppen, in den nächsten Sessel warf. Gottlieb Wetterstein schüttelte bedauernd den Kopf. »Nee, Herr Belsard — noch nicht! Die Landpartie dehnt sich etwas reichlich lange aus.« »Stimmt! — Jedenfalls bleibe ich jetzt hier und warte auf unseren Bummler, trotzdem die Frühlingsluft unten auf der Straße verlockend genug ist und in diesen heiligen Hallen ein geradezu beängstigender Duft nach Terpentin, Oel und Bratkartoffeln herrscht. — Sie sind wohl eben mit der Zubereitung Ihres feudalen Abendessens beschäftigt, Gottlieb?« »Himmel — —! Gut, daß Sie mich daran erinnern — —! Meine Kartoffeln sengen — ich riech's nur zu deutlich!« Und blitzschnell verschwand er durch die zweite Tür, durch die jetzt eine ganze Wolke von keineswegs verlockenden Bratendünsten hereindrang. Nach einer Weile erhob sich