Der Michel und sein Todfeind
Ihre Namen, wie sie im Taufbuch stehen, darf ich nicht nennen. Muß auch verschweigen, wo die Geschichte spielte. Denn der Michel – so soll der Jäger heißen – sagte mir damals: »Gelt, halten S' fein 's Mäu! Sonst kunnten mer nobel in d' Schlemastik kemma!« Und ich fühlte nicht das Verlangen, als Ankläger aufzustehen, wo kein Richter war. Nach dem Strafrecht ist ja die Sache schon längst verjährt. Der Michel hätte also nichts Ernstliches mehr zu befürchten. Aber was ich da erzähle, könnte doch hinausklingen in das kleine Dorf, in dem der alte Weißkopf mit Behagen seine Pension verzehrt. Das würde dann ein böses Gerede absetzen. Und ich möchte dem Michel in der gemütlichen Ruhe seiner sinkenden Lebenstage keine 'Schlemastik' verursachen. Denn ein Mörder war er nicht! Obwohl er mordete. Schon der erste Abend, den ich mit dem Michel in der Jagdhütte verlebte, ist mir in schwüler Erinnerung geblieben. Noch heute, nach sechsundzwanzig Jahren, wenn ich an diesen Abend denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich hatte damals, nach meinem letzten Universitätsjahr, eine Jagderlaubnis in einem der wildreichsten Reviere unserer Berge. Ende Juli, an einem regnerischen Nachmittag, kam ich in dem Dorfe an, in dem der Forstmeister wohnte. Obwohl es in Strömen schüttete, ließ mir die Glut meines jungen Jagdeifers keine Ruhe, und ich wollte noch vor Abend hinauf ins Gemsrevier. Der Michel