Chapter

Erstes Buch: Der Ahnende

Der endlose, tief einöde Wald dämmerte die Menschen an, die den steinigen, von harten Wurzeln überzogenen, zerschrundeten und zuweilen von Regengüssen ausgeschwemmten oder schlammigen Weg wanderten. »Mutter, wann sind wir daheim?« fragte bang der Knabe die Frau, die ihn keuchend schleppte, und er lauschte ihr in das Gesicht, das verfallen und hager war von Sorge und Schicksal und der Not tagelanger ungewisser Wanderschaft. Sie presste die dürstenden, erschöpften Lippen in sein lichtgelbes, welliges Haar. »Brechtel«, stöhnte sie, »bald, bald sind wir daheim. Die Welt – ist weit.« »Daheim?!« höhnte der Mann hinter ihr auf. Er heulte das sanfte Wort, dass es all seinen Trost verlor. Einen Karren voll armseligen, flüchtig zusammengerafften Hausplunders zerrte er hinter sich her. Er taumelte in dem Gespann wie ein halbverschmachteter Hund. »In Amberg wird alles wieder gut, Ulrich!« rief das Weib. »In Amberg?« Er lachte bitter auf. »In Nirgendwo sind wir daheim, und der Tag, da es uns besser geht, heißt Nimmerwieder. Verjagt, verwiesen sind wir, mit leerer Hand hab ich das Land verlassen. Gott verfolgt mich. Ihr alle werdet mit mir verhungern.« Frau Uda Altdorferin zuckte straff empor. »Keines soll verhungern«, sagte sie fest. Und sie streckte die Hand suchend aus nach dem Mädchen, das, wenig älter als das Brüderlein, das schmale Elfengesicht von seidenem, hellem Haar umschmeichelt

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