Der Massenmörder
Mit den Schatten der Dämmerung, unter denen das Licht in dem großen Arbeitsgemach immer grauer wurde und endlich ganz versiegte, war Luise selber wie ein schöner, flüchtiger Schatten verschwunden. In der Rauchecke, verschmolzen ganz mit der Dunkelheit, in die nur die massigen Schultern des Mannes, sein gebogener Rücken eine vage Linie zeichneten, saß der königliche Staatsanwalt Emil Pallaske, noch betört und selig hingenommen von den Liebkosungen dieser Frau, die vor etlichen Monaten auf eine Annonce zu ihm gekommen war, als seine Haushälterin … So süßermattend, all seine Sinne streichelnd, umschwebte ihn noch ihres Leibes Duft, daß er das Licht nicht andrehn, seinen Platz nicht verlassen, daß er sich nicht einmal aus seiner Lage rühren mochte … Es girrte und gurrte noch um ihn die Stimme der Rothaarigen, ihr weiches, helldunkles Lachen; und feine Augen fühlten in der Finsternis den singenden Schwung, die strahlende Form ihrer Linien. Wie war ihm nur? Er hatte doch schon früher Frauen gehabt … die schönsten … nie lange … Sein Überdruß erwachte vorm Sattsein. So hatte er, ein klarer Rechner auch seiner Sinne, sich nie verheiratet. Nie hatte er einer mehr versprochen, als er gut halten konnte. Sein Leben war ganz korrekt. Nicht einmal der unbewußte Fehler unterlief ihm. wie ein Spieler, der jeden Zug berechnet und jeden Tag sein nennt. Bis sie kam … Ja, jetzt … jetzt war seine