Der Zeuge
1. Kapitel. Der Zeuge. Die Standuhr hatte gerade elf geschlagen, und an diesem kühlen Augustabend gab unser Empfänger die Tanzmusik des Großsenders Langenberg besonders lautstark im Lärmtrichter wieder. Harst hatte im Sessel am Kamin vor sich hin gedöst, und ich war gerade mit Ausschneiden beschäftigt und klebte die uns wichtig erscheinenden Zeitungsnachrichten in die verschiedenen Sammelmappen ein. Der dunkle Ton des Uhrschlagwerks vermischte sich mit den heiteren Klängen eines Walzers zu angenehmen Akkorden, da läutete es draußen im Flur. Ich schaute Harst verwundert an: »Sollte …?!« »Geh öffnen … Der späte Gast läutet abermals …« Ich ging. Ich schaltete das Licht im Flur ein und hob die Klappe von dem kleinen Fenster. Die Sperrkette ließ ich noch vorgelegt. Wir müssen eben vorsichtig sein, zumal in der verflossenen Woche ein Abenteuer erledigt worden war, bei dem wir es offenbar mit Gegnern zu tun gehabt hatten, deren Mittel jeder Art unerschöpflich waren. Draußen Mondlicht … Ich sah auf der Treppe zur Haustür einen kleinen buckligen Kerl mit grauem Bart und einem schwarzen Schlapphut stehen, unter dem linken Arm einen Kasten von doppelter Größe einer Zigarettenkiste etwa. »Sie wünschen?« Ich hatte auch das kleine Fenster zurückgeschoben. »Gott sei Dank!« rief der Graubart, dessen Anzug recht abgerissen war. »Gott sei Dank, — lassen Sie mich bitte schnell ein, Herr Harst …