Der Mann mit dem Glasauge
1. Kapitel. Der Verwandlungskünstler. Am 6. Mai, wo ich die Geschichte des Mannes mit dem Glasauge beginnen lasse, wanderten wir beide, Harald und ich, von unserem Heim zu Fuß nach Dahlem hinaus, um uns allein dort im Hause des Banknotenfälschers Simpson umzusehen. Der Leser kennt Simpsons Haus: ein in einem Garten gelegenes, einsames, sehr altes Gebäude, — verwahrlost, verfallen, ungemütlich. Nur die Vorhalle und ein paar Zimmer im ersten Stock waren möbliert. Wir schlossen die große schwere Haustür auf. Es war jetzt zehn Uhr — zehn Uhr vormittags am 6. Mai. Aber kein Maitag war’s. Nein — ein wütender Sturm strich über die Felder hin und traf die alten Kastanien, Buchen und Obstbäume des Gartens mit voller Kraft, so daß sie ächzten und stöhnten und ein paar Zweige immer wieder taktmäßig gegen die neue Zinkblechrinne des Daches schlugen, die der Professor (er trug diesen Titel mit Recht und war einer der bekanntesten englischen Meteorologen) als Hilfsantenne für seine Radiostation benutzt hatte. Diese blechernen Töne, die sich von der Rinne in die Abflußrohre fortsetzten, begleiteten uns die Treppe in den Keller hinab, bis sie dann leiser und leiser wurden. Der Keller war sehr ausgedehnt, hatte sechs verschiedene Gelasse, die jedoch sämtlich leer waren. Aus dem einen dieser Raume führte eine sehr schlau versteckte Holztür, die mit Mörtel beworfen und daher von der Kellerwand