Der Rahmen: Thorguts Geschichte
Sie schauten aus dem Salon auf die große Wiese hinaus, auf der Thorgut, das Gewehr auf der Schulter, neben seinem Kinde stehenblieb und mit ihm zu spielen begann. »Ich weiß wahrhaftigen Gotts nicht, warum Thorgut eigentlich immer ein Schießgewehr mit sich schleppt. Das ist doch Vorspiegelung falscher Tatsachen«, sagte Emerich Pyrker in seiner ironischen, näselnden Weise. »Apoll anstatt mit der Leier mit dem Bogen der Diana.« Dagmar drehte sich zu ihm herum und maß ihn mit kühlem Blick. »Wie oft soll ich dir sagen, Emerich,« sagte sie, »daß du dir eine andere Zielscheibe deines funkensprühenden Geistes aussuchen sollst? Wenn Thorgut auch nicht so reiten und schießen kann wie ihr, so glaube ich doch, daß – nun, ihr wißt ja, wie ich darüber denke.« »Dagmar hat ganz recht«, mischte sich Harro Liebenstein ein. »Wir haben absolut keine Veranlassung, uns über ihren Mann lustig zu machen. Erstens ist er ihr Mann und zweitens ist er unbedingt ein Mensch, der Respekt einflößt. Was man von dir, mein lieber Pyrker, nicht sagen kann.« Sie lachten alle, und Dagmar reichte jedem ihrer Gäste eine neue Tasse Tee. Die Augen der jungen Männer hingen an ihr, wie sie so mitten unter ihnen am Teewagen hantierte in ihrer ruhigen, selbstsicheren Grazie. Sie trug noch Reitdreß. So, wie sie vor einer halben Stunde von der Jagd heimgekommen war, weiße Bluse, graue Breeches in hohen Lackstiefeln, und ihre