Chapter

Im Zuchthaus bis zum 8. Oktober des Jahres 1931

In der Nacht zum 22. Mai des Jahres 1912 saßen im Roboritzer Herrenhaus der Gutsherr Anton Slevan und sein Nachbar, Eugen Freiherr von Sprauhn, zusammen und tranken. Besser gesagt: Sie betranken sich. Sie saßen in dem ebenerdigen Rauchzimmer des Hausherrn bei geöffneten Fenstern, schrien, lärmten und fingen schließlich zu streiten an. Sie waren beide wilde Gesellen, der Ältere sowohl wie der Jüngere. Trinken, Frauen, Spiel, Pferde – das waren die Gebiete, in denen sich ihr Leben bewegte. Sprauhn war Oberleutnant in einem der berühmtesten Reiterregimenter der alten Monarchie, den Windischgrätz-Dragonern, und war schon zweimal von seinem Obersten verwarnt worden. Die Strafversetzung nach einem galizischen oder bosnischen Nest hätte ihm längst geblüht, wäre er nicht ein vollendeter Reiter gewesen. Bei den großen internationalen Turnieren in Paris, in Turin, in Aachen kämpfte er siegreich für die Farben der Armee. Aber er war nun einmal der »wilde Sprauhn«; das war seine Landmarke. Er hatte einen älteren Bruder, Philipp, der das Fideikommiß verwaltete und ein ebenso ernster, besonnener Mensch wie gründlicher und geschickter Landwirt war. Bei aller Verschiedenheit der Charaktere hingen die beiden Brüder sehr aneinander, und in keinem Menschen fand Eugen Sprauhn einen beredteren Verteidiger als in seinem Bruder. »Was wollt ihr?« pflegte der zu sagen, wenn man ihm mit Klagen über

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