Der Prolog
Es war in Stockholm, in dem Stockholm der dreißiger Jahre, jener Stadt, die uns August Blanche so lebendig und naturgetreu geschildert hat, daß wir als Rahmen des kurzen Prologes unserer Erzählung nur ihren Namen zu nennen brauchen. Es war ein schneidend kalter Wintertag zu Anfang Februar und ein stürmisches Schneegestöber vergrößerte das Unbehagen aller, die ausgehen mußten, ließ sie ihre Schritte beschleunigen und verlieh dem Straßenverkehr jenen unruhigen, fieberhaften Charakter, der ein im Aufbruche begriffenes Armeecorps oder einen Oktoberumzug bei Regenwetter kennzeichnet. Doch einer schien nicht solche Eile zu haben. Vom Katharinenkirchhofe – wo er in einem kleinen verfrorenen Leichenzuge aufgefallen war, und wo er seinen Mietsschlitten verabschiedet hatte, während die übrigen Trauernden, nachdem sie einander die Hand gedrückt, eilig in den ihrigen nach Hause fuhren – war er durch die Altstadt und über die Nordbrücke so langsamen Schrittes gegangen, als spazierte er an einem sonnigen Sommertage zu seinem Vergnügen durch unsere schöne Hauptstadt. Er empfand augenscheinlich keine Kälte und hatte sicherlich kein Auge für den wirbelnden Schnee. Doch wenn einer der eiligen Fußgänger, die ihm begegneten, sich zufällig die Zeit nahm, einen Blick auf das Antlitz des stillen Wanderers zu werfen, blieb er unwillkürlich stehen und erschrak über den Ausdruck unaussprechlichen,