Chapter

Erstes Kapitel

Das Schloß, vor mehr als zweihundert Jahren am Abhang des Odenwalds aufgebaut, öffnete seine Flügel gegen die Rheinebene, in den oberen Fenstern seines Mitteltrakts spiegelte sich am spätesten die Sonne. Es hatte nach der Mediatisierung des reichsunmittelbaren Geschlechts Jahrzehnte hindurch leer gestanden, der Einrichtung fast beraubt, unbetreut, verwahrlosend. Dann hatte man seine Säle weiß gekalkt und mehrere Generationen evangelischer Präparanden hier erzogen. Ein spekulativer Heidelberger Pächter hatte diese gemessene Jugend abgelöst und den schönen, luftig gelegenen Bau zur Fremdeneinkehr bestimmt. Aber die Fremden waren spärlich gekommen, und wer nach dieser Zeit sich aufschließen ließ, der fand die Säle zu ebener Erde völlig entwürdigt, eiserne Gartenmöbel verrostet an den Wänden lehnend und vermodertes Laub am Boden, das einmal hineingeweht und von niemand mehr hinausgefegt worden war. Dann eines Jahres im Juli war ein offenes Automobil die Straßenschleife heraufgefahren, vorn neben dem Chauffeur ein Mädchen aus dem nahen Dorf, das die Schlüssel hatte, und im Fond zwei fremde Herren: lang aufragend, mit einer Hakennase, schweigsam der eine, der andere klein und aufgeregt. Der Kleine schlug über den Zustand des Schlosses die Hände zusammen, so als sei er ihm unbekannt, und begann mit beredten Worten darzulegen, wie diese Räume ohne Eisenmöbel und Blätterschutt wirken

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