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Vorspiel in Tanger

Seit Anfang des Jahres bin ich zu meinem Vergnügen in Tanger. Ich wohne auf dem Marschán, einem Höhenzuge, der mit vielen Landhäusern bedeckt ist. Meine Aussicht ist nach allen Himmelsrichtungen unbeschreiblicher Schönheit voll: vor mir die weißmauerige Stadt, nach Westen der Atlantik, unabsehbar, nach Norden das Mittelmeer, Europa, nach Süden der Atlas, seine Schneemützen. Meine Villa ist im arabischen Stil gehalten. Eine alte einländische Jüdin, die so gut spanisch wie englisch spricht, besorgt mit ihren Schwarzen die Haushaltung. Wenn nur der ewige Frühling nicht wäre, die ewig kühlende, wundervolle Seeluft, der ewig tiefblaue Himmel. Wir Menschen können das Paradies nicht ertragen. Viel hab ich schon gesehn und täglich schau ich neues. Nachmittags reit ich gewöhnlich auf die Playa. Hier treff ich Europa: alle, die sich zeitweise zum Vergnügen, zur Forschung aufhalten; die gezwungen sind durch ihren Beruf, durch ihre Geschäfte, in Tanger zu bleiben. Und es ist kein Abbrechen neuer Bekanntschaften. Näher gesellig geworden bin ich nur mit Mr. Fraser, dem Löwenjäger, mit dem ich zuerst im Hotel Continental zusammenwohnte. Es ist im April. Ich sitze lässig im Schaukelstuhl und lese in Storms Gedichten: Kaum zittert durch die Mittagsruh Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten, Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von seinen Honigernten. Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang

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