Chapter

Der Lotse und sein Weib

Als der Tolldreisteste unter denjenigen, welche jedem Wetter Trotz zu bieten wagten, galt in Arendal der dunkelbärtige Lotse Salve Kristiansen aus Merdö. Mit Lebensgefahr hatte er manches Schiff geborgen, welches sonst als Havarist dem Seerecht anheimgefallen wäre, und es war bekannt, daß er sich allein an Bord eines dem Sinken nahen Wracks setzen ließ und den Kameraden um Hilfe ans Land schickte. Aber es hieß auch, er stehe mit dem Lotsenalderman Beck auf schlechtem Fuße, so daß er nie die Rettungsmedaille erlangen könne, obgleich er im Eckschrank zu Hause mehrere Silberbecher mit Inschriften und auch ein großes Fernrohr habe, die er als Andenken von verschiedenen Schiffen aufbewahrte. Er war eher klein als groß – fast zartgebaut; allein es schaute etwas Unbeugsames, Unerschrockenes aus seinem Antlitz. Diese scharfen, braunen Augen, diese kühne, gerade Nase, der straff gespannte Zug auf dem Teil seiner magern Wange, den der Bart nicht verdeckte – all dies im Verein mit einem barschen, kurz angebundenen Wesen machte den Eindruck außerordentlicher Energie. Kristiansens ganze unzugängliche Art verriet eine gewisse Verbitterung, die den Leuten deutlich genug zeigte, daß er auch ohne sie leben könne. Es hieß oben in der Stadt – und man sagte es auch beim Lotsenalderman –, daß er dem Trunke ergeben sei; denn wenn er seine Makrelen unten beim Landungsplatze losgeschlagen, konnte er

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