Eine Kleine Magie
Oma gab Tobi einen Holzlöffel. Es war ein schlichter Löffel, sehr glatt dort, wo viele Hände ihn gehalten hatten, sehr dunkel dort, wo viele Suppen umgerührt worden waren.
„Das ist der Heimweg-Löffel", sagte sie. „Er kennt den Weg nach Hause."
Tobi war sechs. Er hatte vor kurzem beschlossen, dass nichts magisch war und alles einfach Dinge waren. Er glaubte nicht an Heimweg-Löffel. Aber er liebte seine Oma, also steckte er den Löffel in seine Manteltasche und sagte: „Danke, Oma."
Am nächsten Tag ging Tobi mit seinen Cousins in den Wald. Sie wollten den Bach anschauen.
Der Bach war weiter weg, als sie sich erinnerten. Sie liefen daran vorbei. Sie drehten um. Sie drehten noch einmal um. Sie konnten den Weg nicht mehr finden.
Die Cousins fingen an zu streiten. Die Cousins fingen ein bisschen an zu weinen. Tobi spürte, wie sein Magen eng wurde.
Er steckte die Hand in die Tasche. Der Löffel war da. Er war warm.
Er dachte ganz fest an seine Oma. Er dachte an ihre Küche, den Dampf aus dem Topf, den Stuhl, auf dem er Karotten schälte, die Art, wie sie unter der Stimme sang.
Er nahm den Löffel heraus und legte ihn flach auf seine Handfläche.
Der Löffel drehte sich. Nicht von selbst, genau genommen — Tobi war sich nicht sicher, ob seine Hand sich bewegt hatte oder der Löffel — aber der Stiel zeigte jetzt irgendwohin, und das Irgendwohin fühlte sich nach Zuhause an.
„Hier lang",